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Die Filterblase in unserem Kopf

8 Mai 2015 Keine Kommentare PDF

Totterturm_Social_Media_NetzwerkDer Begriff Filterblase war eine Zeitlang aus meinem Sichtfeld verschwunden. In den letzten Wochen tauchte er dann ein ein paar Mal wieder auf. Wiebke Ladwig beleuchtet die Filterblase im Zusammenhang mit privaten und beruflichen Netzwerken sowie im Hinblick auf die Unternehmens- Kultur-Kommunikation. Spiegel Online hatte dann heute noch einen Bericht darüber, dass von Facebook bezahlte Forscher bewiesen haben, dass Facebook keine Filterblase erzeugt. Ist natürlich immer prekär, wenn man Forscher bezahlt und die dann beweisen, dass man nicht böse ist.

In die Welt geworfen wurde der Begriff Filterblase von Eli Pariser, der kritisierte, dass Google und Facebook auf Basis von Algorithmen den Nutzern nur Informationen zur Verfügung stellen, die mit den bisherigen Ansichten des Nutzers übereinstimmen. Von daher wird der Nutzer in einer Blase isoliert und kann sich keine adäquate Meinung bilden (Was Pariser so genau meint, kann man hier bei Wikipedia nachlesen). Mit der Zeit ist die Filterblase dann in den online Diskussionen zu einem Todschlagargument verkommen. „Du argumentierst ja nur so, weil du in deiner Filterblase steckst“ ist mittlerweile das, was früher „Du guckst nicht über den Tellerrand“ war.

An Parisers Ansatz gibt es bereits einiges an fundierter Kritik. Peter Glaser führt zum Beispiel zu Recht aus, dass er auf einem veralteten Menschenbild fußt. Und neben diesen Knackpunkt, befindet sich die ganze Diskussion zur Internet-Filterblase, wie ich finde, in einer Internet-Filterblase. Denn wie so häufig, wenn es um das Internet und Social Networks geht, wird eine Trennlinie zwischen online und offline gezogen, die sich so nicht halten lässt. Guckt man mal aus der Internet-Filterblase heraus, stellt man überrascht fest, dass die Welt nur aus Filterblasen besteht und in die größte ist in unserem Kopf.

Denn jeder von uns bewegt sich nur in einer begrenzten Anzahl sehr ähnlicher sozialer Milieus. Von daher begegnet er vor allem Menschen, die ähnlich denken, ähnliche Werthaltungen haben und sich meist auf einem ähnlichen Bildungsniveau befinden. Je enger die sozialen Beziehungen sind, desto ähnlicher sind auch die Lebensstile der Menschen, mit denen man sich umgibt. Informationen von außen durchdringen diese sozialen Filterblasen eher selten.

Man muss nur einmal darüber nachdenken, wie häufig und intensiv Kontakte zwischen einem akademische gebildeten Besserverdiener und einem Hartz4-Empfänger ohne Schulabschluss sind. Wie häufig man sich, wenn man nicht in einem institutionellen Rahmen aktiv ist, in einer politischen Diskussion mit Andersdenkenden befindet. Oder wenn man die Betrachtung auf reine offline Informationsmedien wie Zeitungen lenkt, wie oft ein konservativ denkender Mensch z.B die TAZ liest.

Letztlich suchen Menschen vor allem nach der Bestätigung der eigenen Meinung und der eigenen Werthaltungen im Rahmen ihrer Peer Group. Die Filterblase im Internet – so es sie denn überhaupt in der drastischen Form gibt – bildet letztlich nur die Filterblasen ab, in der wir uns die meiste Zeit unseres Lebens bewegen. Das soll aber kein Plädoyer für ein weiter so sein. Die vorfilternden Algorithmen haben eine gewisse Nützlichkeit. Ein Bauchgrummeln bleibt allerdings, denn ich entscheide eigentlich ganz gerne selber, welche Information für mich wichtig ist.

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