Corporate Blogs – Social Media sind mehr Themen als Plattformen

Gestern hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem befreundeten Webentwickler. Er baut Unternehmens- und andere Webseiten lieber mit WordPress auf als mitTypo3. Mich ließ vor allem die Aussage aufhorchen, dass viele Unternehmen trotz der Vorzüge von WordPress Typo3 verlangen. WordPress komme zu sehr aus der Blogger-Ecke, da sind die Vorbehalte zu groß, so die Erfahrung des Webentwicklers. Mir geht es gar nicht so sehr um WordPress, sondern um die Blogger-Ecke, die in den meisten Unternehmen immer noch einen negativen Touch hat. Schon der Begriff bloggen scheint eine Abwehrhaltung hervorzurufen.

Wie man bloggt und was die Nutzen sind, darüber wurde in der Vergangenheit schon häufig geschrieben. Hier hat Daniel Rehn einen sehr schönen Überblick geliefert, wie man einen Blog am besten startet und PR im Wandel hat geht hier noch einmal speziell auf Corporate Blogs ein. Und bei Result Mafo hat die @punktefrau gerade zu einer Blogparade über Corporate Blogs aufgerufen. Ich glaube, dass die Ablehnung gegenüber dem Bloggen und anderen Social Media Plattformen in der Art liegt, wie wir Social Media wahrnehmen und besprechen. Wir strukturieren Social Media anhand der Plattformen. Social Media das sind Facebook, Twitter, die Blogosphäre oder Foren. Und damit wird dann verbunden, dass Facebook unbedingt sein muss, Twitter was für Nerds ist und Foren so oder so bäh sind, weil dort der gemeine Forentroll haust. Wir diskutieren über Account Architektur und den Social Media Hub und immer stehen die Plattformen im Mittelpunkt. Dabei ist das Netz ebenso stark entlang von Themen und Interessen organisiert wie entlang der Plattformgrenzen.

Menschen sind entlang von Themen und Interessen vernetzt

Schon alleine die Nutzerzahlen von Twitter mit rund 4,4 Mio. aktiven Nutzern und Facebook mit 23,7 Mio. aktiven Nutzern in Deutschland, machen klar, dass es sich hier nicht um eine homogene Gruppe handelt. Die Frage ist also: Wie sind diese Nutzer untereinander verbunden? Und: Welche Nutzer sind miteinander verbunden. Steigt man tiefer in diese Fragen ein, dann kommt man schnell dahin, dass es vor allem gemeinsame Interessen sind, die sie verbinden. Selbst auf Facebook, das weit stärker als andere Social Media ein Freundesnetzwerk ist, sind es Interessen, die Netzwerke zusammenhalten. Dazu muss man nur überlegen, wie sich sein eigener Freundeskreis aufbaut. Da wo es keine gemeinsamen Interessen und gemeinsame Themen gibt, wird eine Freundschaft selten lange halten. Bei Twitter ist diese Tendenz sogar noch ausgeprägter. Durch die asymmetrische Beziehung der Nutzer untereinander (man kann jedem Folgen, ohne dass dieser Zurückfolgen muss) orientiert man sich vor allem daran, ob die Themen von Interesse sind. Bei genauerer Betrachtung stellt man dann fest, dass sich hier Personengruppen herausgebildet haben, die rund um ein gemeinsames Thema sehr stark untereinander vernetzt sind. Gleichzeitig ist deren Vernetzung bei anderen Themen, die sie weniger oder nur am Rande interessieren nicht so stark.

Damit wird auch deutlich, wie durchlässig die einzelnen Plattformen für Informationen und damit Themen sind. Denn Menschen, folgen ihren Interessen nicht nur auf einer Plattform, sondern über mehrere Plattformen hinweg. Sie sammeln hier Informationen und geben sie dort weiter. Häufig sind diese Personen auch über mehrere Plattformen hinweg miteinander vernetzt. In diesem Sinne vernetzen Themen und Interessen die Menschen über die Grenzen der Plattformen hinaus. Will man Social Media verstehen, dann muss man ihre Struktur also nicht nur entlang der Grenzen von Plattformen, sondern gleichzeitig entlang von Themen denken.

Blogs sind Ankerpunkte innerhalb von Social Media

Und Blogs? Was heißt das für Blogs und Corporate Blogs. Als erstes sieht man, dass Blogs nicht per se schlecht sind, weil es Blogs sind. Sehr schön kann man an der Mindmap der deutschen Wirtschaftsblogs verfolgen, wie hoch die Qualität in einigen Bereichen ist. Und danach sieht man, dass Blogs Ankerpunkte innerhalb dieser Themenstrukturen und Personennetzwerke sind. Sie liefern in hohem Maße die Inhalte, die innerhalb der Themengebiete diskutiert und weiterverteilt werden. Schon alleine, weil hier der Raum dazu da ist, Gedanken auszuformulieren. Gerade das ist auch die Chance für die Kleine und Mittelständische Unternehmen. Viele Unternehmen sehen das eigene Blog, wenn es überhaupt eins gibt, immer noch sehr „egozentristisch“. Die eigenen Produkte werden beworben, ohne wirklich Inhalte zu liefern. Es wird gesendet, ohne dass man das Drumherum wahrnimmt. Nur, dann wird man selber auch kaum wahrgenommen.

Ab und an hört man dann noch von einem Unternehmen, dass man ja über ihre Produkte im Netzt nicht sprechen würde. Das würde ja keinen interessieren. Mit Verlaub, aber wenn die Produkte keinen  interessieren, dann kann man sie auch nicht verkaufen. Und das gilt, mit wenigen Ausnahmen, unabhängig davon, ob B2C-, B2B-Unternhemen, Dienstleister oder was auch immer. Ein Beispiel, über das ich kürzlich bei einer Recherche gestolpert bin: Taschenlampen! Taschenlampen scheinen auf den ersten Blick nicht gerade ein Paradethema im Social Web zu sein. So wie es aussieht, hat aber LED-Lenser eine Zeitlang intensiv Blogger-Relations betrieben. Mit beachtlichem Erfolg, wie man hier sieht.

Abschließend: Es geht viel weniger als man denkt, um Plattformen. Es geht um Themen und wie die Themen über die Plattformen verteilt sind. Wo kristallisieren sie sich am stärksten heraus und wie ist das Personennetzwerk rund um die Themen strukturiert? Blogs liefern innerhalb der Themen die wichtigsten Impulse, sie liefern die Inhalte, die weiterverteilt und diskutiert werden. Unternehmen, die Blogs ablehnen, weil es Blogs sind, verkennen die Möglichkeiten, die sie ihnen innerhalb von Social Media bieten.

3 Gedanken zu „Corporate Blogs – Social Media sind mehr Themen als Plattformen

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