Social Media – Optimieren zur ewigen Wiederkehr des Gleichen

In letzter Zeit häufen sich die Artikel darüber, wie lang ein optimaler Beitrag für Blog, Twitter und Facebook sein sollte, wann er am besten veröffentlicht wird und wie man den Call-to-Action unterbringt. Ganz zu schweigen von den ganzen Artikeln zur SEO-optimierung von Texten. Alles schön und gut, aber ist es das, was die Qualität eines Artikels, Statuspdates oder Tweets am Ende ausmacht? Mit Sicherheit nicht. Es sind nur die letzten Prozent, die aus ihnen herausgekitzelt werden können, damit sie gelesen, gefunden oder weiterverbreitet werden. Opium für BWLer und Controllingfetischisten, die unbedingt Zahlen benötigen.

Ich tue mich ja immer schwer mit pauschalen Verurteilungen. Und auch hier gibt es eine Berechtigung, da es ja scheinbar in gewisser Weise funktioniert. Aber die beschriebenen Maßnahmen sind nur die letzte Arbeit in der langen Reihe von der Idee bis zum fertigen Artikel. Wenn überhaupt. Denn letztlich sind die Inhalte wesentlich wichtiger als die Form. Das gerät allzu schnell in Vergessenheit. So lässt sich fast überall beobachten, dass Dinge die scheinbar funktionieren, sehr schnell kopiert werden. Der Call-to-Action beispielsweise fehlt bei Unternehmen unter fast keinem Facebook-Status. Aber mal ehrlich, eigentlich nervt es nur noch, überall zum klick-mich, teil-mich, schlag-mich aufgefordert zu werden. Ganz abgesehen davon, dass es durch die Inflation der Call-to-Actions und dem verbundenen Nervfaktor dem Unternehmensimage nicht mehr zuträglich ist.

Selbst „Heftig“ wird zum Trend

Der neuste Trend in dieser Richtung ist die „Verheftigisierung“ der Überschriften, Tweets und Statusupdates. Auf den scheinbar emotionalisierten Stil von Seiten wie Heftig, Huffington Post oder Buzzfeed springen neuerdings immer mehr Unternehmen und Medien auf, weil diese Seiten damit enorme Klickraten und Reichweiten erzielen. Was dann passierte, trieb mir die Tränen in die Augen. Denn die Qualität bleibt dabei auf der Strecke. Die Qualität misst sich nicht allein in Zahlen und Klickraten. Es gibt eine ganze Reihe von Strategien Informationen für Unternehmen aufzubereiten, die nicht in das Raster der optimalen Länge und des optimalen Zeitpunktes fallen und trotzdem erfolgreich sind. So kann es durchaus sinnvoll sein, auf längere gut recherchierte Beiträge zu setzen und dafür weniger häufig zu posten.

Viel wichtiger als die Orientierung an der bloßen Form, weil es alle so machen, ist es die inhaltlichen Strategien individuell auf Unternehmen und Informationen zuzuschneiden. Manchmal dauert es dafür vielleicht länger bis die entsprechenden Reichweiten erzielt werden. Vielleicht werden sie als reine Zahl auch gar nicht erreicht. Dafür bleiben sie dann aber viel länger haften, weil sich die Leser intensiver mit dem Thema auseinander gesetzt haben, als mit einer hübschen aber belanglosen Teil-mich-Information. Zumal man einem Leser, der sich mit einem längeren Artikel beschäftigt, auch ein echtes Interesse am Unternehmen und seinen Produkten bescheinigen kann.

Zusammengefasst: Wenn ich eins gelernt habe in der Kommunikation, es ist immer ein Fehler, sich sklavisch an vorgestanzte Formen zu halten – selbst wenn sie von Untersuchungen bestätigt werden. Für bestimmte Unternehmen und Strategien können sie sinnvoll sein, für andere sind sie es nicht. Viel wichtiger ist es den Einzelfall zu betrachten und danach zu entscheiden. Ganz angesehen davon, dass die Inahlte nicht mehr unterscheidbar werden, wenn alle das Gleiche machen.

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