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Facebook – Der EdgeRank, die Reichweite und das Märchen von den guten Inhalten

18 Oktober 2012 Ein Kommentar PDF

Da rauscht es mal wieder gewaltig durch die Social Media Blogs. Facebook hat seinen EdgeRank-Algorithmus verändert und die Reichweite der Fanpages ist um fast 50 Prozent gesunken. Der Hintergrund ist klar. Seit dem Börsengang muss Facebook verstärkt Gewinne generieren. Der neue Deal heißt nun: Geld für Reichweite. Denn zeitgleich mit der Beschränkung der Reichweite hat Facebook die promoted Posts aufgelegt. Wer bezahlt kann sich sicher sein, dass sein Statusupdate eine gewisse Reichweite erzielt.

Wer mehr will muss zahlen

Interessant dabei, dies betrifft nicht nur Unternehmensseiten, sondern auch private Accounts. Christian Buggisch hat das hier sehr schön aufgeschlüsselt, wie der EdgeRank auch private Accounts beschränkt. Man sieht noch lange nicht alles, was seine Freunde schreiben. Das bedeutet aber auch, nicht alle meine Freunde sehen alles, was ich schreibe. Und die promoted Posts gibt es nicht nur für Unternehmensseiten, sondern auch für private Accounts. Wer sicher sein will, dass alle seine Freund ein bestimmtes Statusupdate sehen wollen, der muss die Geldbörse aufmachen

Galt früher noch, dass die Nutzer auf Facebook mit ihren privaten Daten bezahlen, sind die Kosten jetzt gestiegen. Unter dem Strich geht Facebook damit den Weg, den so viele Webservices und Seiten vorher schon gegangen sind. Eine begrenzte Funktionalität ist kostenlos, wer mehr will, der muss dafür bezahlen. Zwar kommt es noch nicht im Gewand von Premium-Accounts daher, aber die Tendenz ist die gleiche. Und ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass Facebook dieses Spiel noch weitertreiben wird, wenn die bisherigen Schritte nicht den gewünschten (monetären) Erfolg erzielen.

Verlierer sind die kleinen Seiten

Den Normalnutzer wird es wahrscheinlich nicht großartig tangieren. Die meisten Privatnutzer, die ich kenne, wissen noch nicht einmal, was der EdgeRank überhaupt ist – und es interessiert sie auch nicht. Dementsprechend wird sie auch der Hinweis darauf, sich Listen anzulegen, nicht interessieren.  Verlierer sind jetzt schon, die kleinen Seiten von gemeinnützigen Organisationen, Sportvereinen, Kitas und was das sonst noch so alles gibt. Ein Budget, um die Reichweite zu erhöhen, gibt es hier schlichtweg nicht und wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie geben.

Damit werden aber nicht nur diese Seiten ein Stück tiefer in der Versenkung verschwinden, sondern auch ein Teil des Reizes, den Facebook ausmacht. Denn diese Seiten und die Organisationen dahinter sind der Lebenswelt der Menschen näher, als Coca Cola oder andere große Unternehmen.  Und gerade das war immer ein Vorteil von sozialen Netzwerken wie Facebook. Hier bekommt/bekam man Informationen, die man früher nicht bekommen hat, weil sie eben für die Tagespresse uninteressant sind.

Das Märchen vom guten Content

Bleibt die Mär, dass Facebook das alles nur gemacht hat, um die Qualität der Inhalte zu steigern. Also, wenn die Unternehmen und andere nur hinreichend gute Inhalte erstellen, die möglichst viele „Likes“ und „Shares“ erzielen, dann wird alles wieder gut. Wer daran glaubt, der glaubt wahrscheinlich auch an den Sandmann. Vor allem müsste man sich mal darüber unterhalten, was denn Qualität überhaupt ist. Schon jetzt ist bekannt, dass die meiste Interaktion durch Klicki-Bunti-Content wie Bilder und lustige kleine Videos hervorgerufen wird. Für Brausehersteller und alles, was sich im Lifestyle-Bereich bewegt, sicherlich ein gangbarer Weg. Für Unternehmen, die ihre Strategie aber eher auf inhaltliche Unternehmens-kommunikation ausgelegt haben, wird es schwierig. Das Gleiche gilt für Unternehmen, die Facebook unter anderem als Service-Seite verstanden haben, auf der Kunden Antworten erhalten. Denn ebenso wie die Reichweite der Statusupdates beschränkt wurde, ist auch die Sichtbarkeit von Nutzerbeiträgen durch die Umstellung auf die Chronik reduziert worden.

Wo das Ganze nun im Endeffekt hinführt, darüber möchte ich lieber nicht spekulieren – ich habe da schlimme Befürchtungen von unwürdiger Klickbettelei und blutenden Augen angesichts von Heerscharen bunter animierter Videos ;-). Insgesamt scheint alles auf eine stärkere „Boulevarisierung“ von Facebook hinauszulaufen. Letztlich zeigt sich aber, dass auf Facebook kein Verlass ist. Die nächsten Änderungen werden wahrscheinlich schneller kommen, als wir „möck“ sagen können. Einziger Ausweg die Bedeutung von Facebook für die Unternehmens-Kommunikation zu beschränken und andere Kanäle stärker aufzubauen. Ein Corporate-Blog wäre da so eine Alternative. Habe ich aber schon mal gesagt.

 

 

 

1 Kommentar »

  • Theatercamp: Social Media is not everything | Axel Kopp said:

    […] persönlich teile die Ansicht von Markus Neubert und glaube das Märchen vom guten Content – „Facebook will nur die Qualität der Inhalte steigern“ – nicht. Das Problem ist, dass […]

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